Tram als Werkzeug für städtische Renovierungsvorhaben
Die meisten Strassenbahnen Frankreichs wurden schon in den dreissiger Jahren abgebaut. Das Ende der zweiten Ära des Trams wurde nach dem Zweiten Weltkriege eingeläutet: Mit dem Wiederaufbau bekam der individuelle Verkehr grünes Licht. Städte wurden für die Autos umgebaut, so auch in Mülhausen, wo am 2. Mai 1957 die letzte Tramlinie 11 nach Wittenheim durch den Autobus ersetzt wurde. Die grösste Ausdehnung erreichte das Tramnetz in Mulhouse zwischen Dezember 1934 und Januar 1937 mit 75 km plus 11,5 km Gleisanschluss für Firmen.
Ideen für die verkehrspolitische Wende gehen auf die Ölkrise Anfang der achtziger Jahre zurück, nachdem das Tram zuvor lange als überholtes altbackenes Verkehrsmittel abgetan worden war. Dabei rollten die Tramways und ihre Vorläufer in Frankreich schon seit 1853. Erst die steigenden Energiekosten und der Verkehrskollaps der Innenstädte haben die Rückbesinnung auf das alte kollektive Transportmittel ausgelöst. Acht Städte beteiligen sich an dem Regierungsprojekt, das für die Zentren neue, moderne Fahrtechnik vorsieht. Darunter auch Mulhouse oder Strassburg, das den Ausbau des Tramnetzes konsequent mit der Stadtplanung vorantreibt. Die modernen Grossaumwagen, die zudem leise und bequem sind, werden zum Aushängeschild einer zeitgemässen und ökologisch korrekten Verkehrspolitik.
Seither gewinnt das Tram an Terrain: Montpellier, Nizza wie Nantes setzen auf die saubere Lösung, Caen und Nancy entscheiden sich für die billigere Lösung mit Trolley-Bussen. Und in Bordeaux leisten sich die Stadtväter für die malerische Innenstadt gar eine Tram, die teilweise den Strom über eine dritte im Boden eingelassene Schiene erhält. "Das Tram ist ein famoses Werkzeug für städtische Renovierungsvorhaben", sagt Michel Duchène, Vizebürgermeister von Bordeaux. Denn die - im Vergleich zur U-Bahn - geringeren Investitionskosten und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 20 Kilometern pro Stunde machen das Tram zur attraktiven Alternative.
Vive la révolution du transport urbain! |